TUI – von Kolonialismus, Klimazerstörung und russischen Oligarchen

Am Freitag den 18.03.22 haben wir vor der Konzernzentrale von TUI eine Kundgebung veranstaltet. Denn TUI ist das größte Touristikunternehmen der Welt – und extrem Klimaschädlichen. Wie TUI zudem merkwürdige Deals mit russischen Oligarchen macht und die koloniale Vergangenheit verharmlost, erfahrt ihr hier!

Kundgebung vor dem TUI-Gebäude

TUI und die Oligarchen

TUI ist das größte Touristikunternehmen der Welt. Durch die Corona Pandemie wurde es schwer getroffen und machte große Verluste. Ein Glück, dass der russische Oligarch Alexei Mordaschow da war und TUI aus der Patsche helfen konnte. Er machte mal eben 266 Millionen Euro für das klimazerstörende, rassistische, neokolonialistische Unternehmen TUI locker.

Mordaschow war so der größte Anteilseigner an TUI. Dass er dem Kreml und besonders Putin nahe steht, schien aber kein Problem. Erst mit dem Angriffskrieg auf Befehl der russischen Regierung auf die Ukraine wurde das Ganze zum Problem. Denn nun stand TUIs Retter als einer der reichsten Menschen Russlands (und auch der Welt) auf der schwarzen Liste der Sanktionen. Für ein Unternehmen wie TUI moralisch erstmal nicht das Problem, aber für den guten Ruf musste dann doch eine neue Lösung her.

Mordaschow verließ also den Aufsichtsrat und verkaufte in letzter Minute fast seine gesamten TUI-Anteile an eine Firma namens Ondero Limited auf den britischen Jungferninsel. Wer hinter dieser Firma steckt? Das weiß niemand – nicht mal TUI selber.

Was bedeutet das also jetzt genau? Der nun größte Aktionär am größten Touristikunternehmen der Welt ist unbekannt – und versteckt sich klammheimlich hinter einer Firma in einem Geldwäscheparadies.

Mordaschow übertrug übrigens exakt 29,9% der Aktion auf Ondero Limited – denn: ab 30% hätte Ondero Limited genauere Details zur eigenen Struktur nennen müssen. Auch TUI kann nicht ausschließen, dass nicht Mordaschow selbst weiterhin hinter allem steht. Das geht so nicht! TUI muss sicherstellen, dass nicht nach wie vor die Taschen der russischen Oligarchen gefüllt werden und damit Putins Krieg finanziert wird.

Wer sein Geld schon mit einem sehr kritischen Geschäftmodell macht, auf umweltzerstörerische Billigflüge setzt, in seinen Reiseberichten mit “kolonialer Vergangenheit” wirbt und Menschen ausbeutet, sollte wenigstens den Funken Anstand haben, alles dafür zu tun, dass dieses schmutzige Geld nicht für Putins Krieg gewaschen wird!

TUI und das Klima

Das Pariser Klimaabkommen… Das 1,5 Grad Ziel… Wir wissen was das bedeutet – TUI anscheinend nicht! Das 1,5 Grad Ziel ist unsere letzte Chance. Wie viele Regierungen und Unternehmen, hat auch TUI sich dieses Ziel gesetzt, aber wie bei fast allen anderen bleibt dieses Ziel nur ein Versprechen, welches nicht durch Taten in die Wirklichkeit umgesetzt wird.

Die Tourismusbranche ist für circa acht Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Acht Prozent, die dringend eingespart werden müssen. Die Lösung erscheint uns ganz logisch: Unternehmen wie TUI müssen alles daran setzten, die Emissionen, die durch ihren Konzern entstehen, drastisch zu senken. Aber das wäre zu schön um wahr zu sein.

Was macht TUI nämlich stattdessen? Sie lassen ihre Kreuzfahrtschiffe weiterhin mit fossilen Kraftstoffen, dreckigem Schweröl fahren.

Und trotzdem schreiben sie sich Nachhaltigkeit ganz groß auf die Fahne. Laut den Nachhaltigkeitsberichten der TUI Group sind die Klimagasemissionen der Kreuzfahrtsparte zwischen 2016 und 2019 um 273 Tonnen gestiegen und das obwohl TUI schon vor über 25 Jahren Nachhaltigkeit als Fokus setzen wollte. Zwar sind die Emissionen danach weniger geworden, das liegt aber nicht an tollen Unternehmensstrategien, sondern an der Corona Pandemie.

Apropos Corona: Wir haben uns mal angeschaut, was TUI denn anstatt von vernünftigem Klimaschutz macht, sie haben immerhin aufgrund von Corona vom Staat vier Milliarden an Urlaubsgeld bekommen.

Was macht TUI also mit ihrem ganzen Geld? TUI streicht 8000 Jobs und beendet Verträge von über 6000 saisonalen Mitarbeitenden an den Urlaubsdestinationen. Da sehen wir: “People Not Profit” ist nicht TUIs Motto. Was das noch mehr verdeutlicht, ist, dass TUI die Nummer eins unter den Fluggesellschaften für Abschiebungen in Großbritannien ist. Zwischen Januar und Oktober 2021 haben sie dort alleine 21 Massenabschiebungen durchgeführt.

TUI – Schämt ihr euch nicht? Die Welt geht zu Grunde und ihr schaut nicht nur zu, ihr seid dafür verantwortlich.

TUI und der Kolonialismus

„Welche Karibische Insel ist die günstigste?“ – TUI hat darauf eine ganz einfach Antwort, auf der Webseite steht: “Aufgrund ihrer kolonialen Vergangenheit sind Flüge aus Europa oft recht preiswert, besonders aus Frankreich, Holland und Groß Britannien. Auch aus Deutschland ist ein Karibik Urlaub günstig zu buchen.“

Wenn man das liest, muss man es erstmal sacken lassen. Aber mal wieder ist es ein super tolles Beispiel dafür, wie Großkonzerne die schreckliche koloniale Vergangenheit runterreden und damit dafür sorgen, dass kolonialistische Strukturen weiter bestehen und nicht hinterfragt werden. Aber nichtmal nur das: Sie reden es nicht nur runter und beschönigen. Nein, sie werben auch noch damit!

Auf der Website benutzen sie das Adjektiv „kolonialistisch“ ganz klar als positives Attribut. Es heißt “die kolonialgeprägte Innenstadt sprüht geradezu vor exotischer Leichtigkeit.” Und Namibia “bietet die Faszination Afrikas gepaart mit deutschem Kolonialerbe, das kurioserweise 90 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft immer noch spürbar ist”.

Kurioserweise – ist das so TUI? Fällt euch wirklich kein Grund ein, wieso 90 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft laut euch ein “Stück Deutschland in Namibia zu finden ist“?

Wir hätten da so eine Idee: Es liegt an unserem System, in dem wir leben, das aus jahrhundertelanger Ausbeutung und Unterdrückung durch Kolonialismus, Imperialismus, Extraktivismus und Kapitalismus resultiert. Es liegt daran, dass die deutsche Kolonialvergangenheit allen Ernstes zum Teil als zu kurz bezeichnet wird, als das sie wirkliches Unheil hätte anrichten können. Aber das ist kompletter Unsinn! Wir müssen damit anfangen, die Tatsachen so zu benennen wie sie sind: Das Vergehen an den Herero und Nama war ganz klar ein Völkermord. Die Kunst in deutschen Museen ist ganz klar geklaut! Wir müssen endlich Verantwortung für die Menschenrechtsverletzungen aus der Kolonialzeit übernehmen und wir müssen endlich geforderte Reparationen begleichen!

Jahrelang haben die Herrschenden, vor allem Unternehmen wie TUI und Regierungen des globalen Nordens, die von wohlhabenden, weißen, heterosexuellen Cis-Männern dominiert werden, ihre durch Kolonialismus, Kapitalismus, Patriarchat, weiße Vorherrschaft und Ausbeutung erlangte Macht genutzt, um die Erde und ihre Bewohner*innen ohne Reue zu zerstören. Eine Macht die Ihnen nicht zustand und die schleunigst zu den Menschen zurückgebracht werden muss, deren Macht gestohlen wurde.

Kolonisatoren und Kapitalisten sind der Kern jedes Unterdrückungssystems, das die Klimakrise verursacht hat, und die Entkolonialisierung ist die beste Art von Klimaschutzmaßnahmen. Wir müssen gemeinsam ein System und ein Zuhause aufbauen, in dem wir #PeopleNotProfit Priorität einräumen!

Am 25.03.22 gehen wir um 12:30 Uhr am Opernplatz auf die Straße, um für eine Welt zu demonstrieren, in der #PeopleNotProfit gilt, in der wir der Klimakrise mit radikalem Klimaschutz begegnen und in der Unternehmen wie TUI zur Verantwortung gezogen werden!

Seid dabei!

Globaler Klimastreik am 25.03.