Statement

Hiermit möchten wir auf die Geschehnisse vom 23.03.2022 eingehen.

Zunächst ist es uns wichtig, klarzustellen, dass wir hinter unserer Entscheidung stehen. Trotzdem möchten wir uns offiziell bei Ronja Maltzahn entschuldigen.

Die Nachricht bzw. Absage war unsensibel formuliert und hätte so nicht abgeschickt werden dürfen. Es war nicht okay, wie wir formuliert haben, dass durch ein Abschneiden der Haare ein Auftritt bei uns wieder möglich wäre. Dies ist ein Eingriff in die Privatsphäre der Künstlerin, der so nicht hätte passieren dürfen. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, das Frauen in dieser sexistischen Gesellschaft häufig aufgrund ihres Aussehen zurechtgewiesen werden und sich nicht frei so kleiden und zeigen können wie sie wollen, war die Nachricht grenzüberschreitend formuliert.

Auch wenn wir die Beweggründe von Ronja Maltzahn nicht kennen, handelt es sich beim Tragen der Locks durch weiße Menschen um kulturelle Aneignung. Warum wir unsere Entscheidung daher so getroffen haben, wollen wir im Folgenden kurz erklären:

Locks wurden erst durch die Versklavung Schwarzer Menschen aus afrikanischen Ländern und Indien in die USA gebracht, wo sie später in Bürgerrechtsbewegungen Schwarzer Menschen zum Widerstandssymbol wurden. Mit dem Tragen von Locks ging also Unterdrückung einher – und die Frisur ist Symbol des Widerstandes Schwarzer Menschen. Wenn eine weiße Person also Locks trägt, dann handelt es sich um kulturelle Aneignung, da wir als weiße Menschen uns aufgrund unserer Privilegien nicht mit der Geschichte oder dem kollektiven Trauma der Unterdrückung auseinandersetzen müssen. (Wir schreiben hier bewusst in der “Wir-Form”, da wir als Fridays for Future Deutschland eine mehrheitliche weiße Bewegung sind.) Außerdem bekommen wir als weiße Menschen für dieselbe Frisur Komplimente, für die Schwarze Menschen rassistisch angefeindet werden. Deshalb haben “Schwarze Widerstandssymbole […] auf weißen Köpfen nicht zu suchen.” (1) Und, von der Du-Form in die Wir-Form umformuliert: “[Uns als weiße Menschen] sollte klar sein, dass [wir uns] aufgrund [unseres] Weißseins aus jeder Kultur bedienen und trotzdem am Drücker sitzen [können].” (2)

Gerade deshalb ist es uns als Fridays for Future Hannover wichtig, BiPoC’s (Schwarze, indigene und People of Color) Raum innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung zu geben, der ihnen bis jetzt nicht genug eingeräumt, aber schon häufig genug eingefordert wurde. (3) Und dies muss konsequent passieren, weil das Auftreten einer weißen Person mit Locks auf unserer Bühne für BiPoC’s den Eindruck erwecken kann, dass diese Bewegung für sie keinen Safer Space darstellt. Und dieser Eindruck ist valide und gerechtfertigt. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, Ronja Maltzahn abzusagen.

(1) “Schwarze Widerstandssymbole auf weißen Köpfen”, Quelle: <https://maedchenmannschaft.net/schwarze-widerstandssymbole-auf-weissen-koepfen/> zuletzt abgerufen am 23.03.22

(2) Sow, Noah (2009): Deutschland Schwarz Weiß: Der alltägliche Rassismus. München: W. Goldmann, S. 251-252 zitiert in (1).

(3) “Offener Brief von BPoC’s an das Klimacamp und andere”, Quelle: <https://www.dropbox.com/s/n42ly8wbgyl0mhu/Offener%20Brief%20von%20BPoCs%20an%20das%20Klimacamp%20und%20andere.pdf?dl=0> zuletzt abgerufen am 23.03.22

Änderung 01.04.2022: Aufgrund des Hinweises einer betroffenen Person haben wir das Wort “Dreadlocks” in “Locks” geändert. Quelle: <https://www.buzzfeed.de/news/rassismus/braids-rastafari-frisur-rassismus-verfilzten-haar-dreadlocks-kulturelle-aneignung-fridays-for-future-91436282.html>