Feminismus und Klimakrise

FEMINISMUS UND KLIMAKRISE

FEMINISMUS UND KLIMAKRISE

Während vor allem der globale Norden, also beispielsweise Europa oder Amerika, Verursacher*innen sind, leiden hauptsächlich Menschen im globalen Süden an den Folgen. Diese Folgen braucht man sich schon seit längerem nicht mehr nur vorzustellen. Unsere global vernetzte Welt liefert sie uns regelmäßig als Nachrichten über Flutkatastrophen, Dürren, Waldbrände oder der Berichterstattung über Klimageflüchtete direkt in unsere Realität. Es sterben Menschen, weil wir nicht nur über unseren Verhältnissen leben, sondern auch, weil unsere Politik zu wenig tut, um dies strukturell zu verändern. Die globale Erhitzung führt dazu, dass immer mehr Naturkatastrophen auftreten – und diese unterscheiden nach Geschlecht. Weltweit sind Frauen* stärker vom Klimawandel betroffen, wobei die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen gemeint ist, nicht das biologisches Geschlecht. Besonders verheerend ist das in ländlichen Regionen des Globalen Südens.Konkret benachteiligt das etwa Frauen*, weil sie meist einen geringeren sozialen Status sowie weniger politische und wirtschaftliche Macht haben als Männer*. Die Mehrheit der Menschen in Armut sind dementsprechend Frauen*. Oft bleibt ihnen der Zugang zu Ressourcen verwehrt, sie haben weniger rechtlich gesicherte Besitzansprüche, arbeiten häufiger in der Landwirtschaft und im Haushalt und kümmern sich um die Familie.  Die Zusammenhänge haben wir in drei Abschnitte aufgeteilt: die Reproduktion von sozialer Ungerechtigkeit, die Verstärkung von sozialer Ungerechtigkeit und gehen dann auf sexistische Politik ein. 

Mehrere Studien und Berichte belegen: Es sind vor allem Frauen, die an den Folgen der Klimakrise leiden. Das liegt daran, dass Frauen von Strukturen der sozialen Ungerechtigkeit vermehrt betroffen sind und genau diese von den Folgen der Klimakrise reproduziert werden.  Besonders im globalen Süden arbeiten Frauen* in Bereichen, die von den Folgen der Klimakrise ganz besonders stark betroffen sind. Dürren und Hitzewellen machen Landwirtschaft in Teilen des globalen Südens schwer. Auch haben Folgen des Klimawandels, wie etwa vermehrte Dürren und Seuchen, schlimmere Konsequenzen für Frauen*. In Trockenzeiten müssen sie weitere Wege zurücklegen, um an Wasser zu gelangen.  Wenn Hitze und starke Regenfälle mehr Malariainfektionen hervorrufen, müssen sich vor allem Frauen um die Krankenpflege kümmern. Und wenn klimabedingte Veränderungen zu Migration führen, bleiben meist die Frauen zurück – ohne die finanziellen und rechtlichen Ressourcen zu haben, um für ihre Familien zu sorgen. (Quelle)
 Meist sind es mehr Frauen, die infolge von Klimakatastrophen sterben.Infolge des Tsunamis in Südostasien 2004 waren es sogar vier Mal so viele. Das liegt an unterschiedlichen Faktoren; die Informationen beziehungsweise Warnungen kommen bei ihnen später an. Das liegt beispielsweise daran, dass wenn ein einziges Handy in einem Haushalt exisitiert, der Mann als Familienoberhaupt dieses meist besitzt. Während Männer zum Zeitpunkt der Katastrophe meist arbeiten waren, hielten sich Frauen vermehrt Zuhause auf und wurden zu spät gewarnt. Dazu trägt auch bei, dass durch die oft schlechtere oder lückenhaftere Bildung Frauen* öfter Analphabet*innen sind oder zumindest Texte schlechter lesen können – ein weiterer Nachteil um an überlebenswichtige Infos zu kommen. (Quelle)

Mindestens 50 Prozent aller Flüchtlinge sind Frauen und Mädchen. Grade in den Medien sind diese aber weniger sichtbar. Und sie haben auch auf der Flucht erschwerte Bedingungen. Beispielsweise durch traditionelle lange und eng anliegende Kleidung. Frauen* haben auch fast immer die Verantwortung für Kinder und ältere Menschen und leisten selbst dann noch nicht anerkannte oder entlohnte Care-Arbeit. Die Schwierigkeiten werden durch die finanzielle Abhängigkeit von Männern* noch verstärkt. (Quelle) Das Leben in den Geflüchtetenlagern und Notunterkünften ist besonders für kranke oder alleinstehende Frauen mit Kindern schwierig. Es kann passieren, dass sie nicht zu den Verteilerstellen kommen können, wo sie Wasser, Lebensmittel oder Hilfsgüter für den alltäglichen Gebrauch erhalten oder in Abhängigkeiten gedrängt werden, da sich Familien ohne männliches Oberhaupt nicht als Haushalt melden.  In Folge von Naturkatastrophen nimmt die körperliche und sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen zu. Die Flucht und die damit verbundene Auflösung sozialer und gesellschaftlicher Strukturen ihrer Heimat führt zur Zunahme der Gewaltbereitschaft. Auch Notunterkünfte bieten häufig nicht den Schutz, den die Frauen* in ihren eignen Häusern, Dörfern und Gemeinden hatten. In vielen Kriegen gehören systematische Vergewaltigungen von Frauen* und Mädchen* sogar zur erklärten Kriegsstrategie. (Quelle) Die strukturelle Abhängigkeit von Männern* kann leicht von diesen ausgenutzt werden und führt zu vermehrter sexualisierter Gewalt. Das kann beispielsweise in den Notunterkünften passieren, in denen Familien einen Mann brauchen, um als Haushalt anerkannt zu werden oder durch Gesetze, die es immer noch in vielen Ländern gibt, die Frauen* z.B. den Besitz von Landflächen verbieten. Zusammen mit vielen anderen Faktoren, wie dass gerade die Arbeitsbereiche von Frauen* stärker durch die Klimakrise betroffen werden und Frauen* durchschnittlich deutlich weniger verdienen, zwingen diese Strukturen Frauen* in eine starke Abhängigkeit, die sehr anfällig für Missbrauch ist. (Quelle & Quelle

Frauen* werden nicht nur mehr von der Klimakrise beeinfluss und leiden mehr unter ihren Folgen, ihre Benachteiligung und die vorherschenden, patriachalen Machtverhälnisse werden durch die Klimakrise noch weiter verstärkt.  Das wird beispielsweise sichtbar, wenn junge Mädchen die Schule abbrechen, da sie ihre Mütter bei deren Arbeit helfen müssen. Es sind Frauen und Mädchen, die bei Geldnöten durch Ernteausfälle nach Dürren und Hitze, als erstes von der Schule genommen werden. Sie werden Zuhause gebraucht, das notwendige Geld ist nicht mehr vorhanden, um die Kosten für die Schule zu bezahlen und ihre Bildung wird oft als Nachrangig gegenüber der Bildung von Jugend betrachtet. Damit verwehren die Folgen der Klimakrise Mädchen den Zugang zu Bildung. (Quelle)Das verstärkt langfristig die unausgeglichenen und unfairen Machtverhälnisse, zwingt Frauen* noch weiter in Abhängigkeit von Männern* und verstärkt auch all die Strukturen der sozialen Ungerechtigkeit, die wir bereits genannt haben.  Dazu kommt noch, dass Frauen auch oft Teil von anderen marginalisierten Gruppensind. Diese sind ebenso von den Strukturen der sozialen Ungerechtigkeit und damit den Folgen der Klimakrise betroffen. Dies führt noch zu einer Verstärkung der Betroffenheit.   

Frauen tragen wegen der vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse weniger zur Klimakrise bei. Sie befinden sich in benachteiligten Strukturen und haben dementsprechend weniger Zugang zu den besonders klimaschädlichen Faktoren. (Quelle) Neben den reinen Ursachen sind Frauen aber auch nicht gleichberechtigt an dem Diskurs über Klimaschutzmaßnahmen und mögliche Lösungen beteiligt. Wir können nicht ernsthaft über die Zukunft von allen folgenden Generationen diskutieren, wenn wir dabei die Hälfte der Menschheit nicht gleichberechtigt einbeziehen.Schließlich sind es unter anderem die immer noch vorherrschenden patriarchalen Strukturen in Politik und Führungsetagen, die heute Klimapolitik so unfassbar langsam und an manchen Stellen schlicht nicht existent machen. Auch 2020 in Deutschland gibt es genau diese patriachalen Strukturen immer noch in den obersteen Politiker*innenkreisen. Sei es der geringe Frauenanteil im Deutschen Bundestag (30%) oder unzähle Berichte von deutschen Politiker*innen über Männerzirkel und Ungleichheit. (Quelle
 Gleichzeitig gibt es eine klare Verbindung zwischen dem Leugnen dieser Krise und einem priviligierten sozioökonomischen Status. Das fällt auch besonders im Bezug auf Geschlechter in der Klimakrise auf: konservative weiße Männer tendieren deutlich öfter zur leugnung der Klimakrise. Sie haben in unserem Wirtschaftssystem unverhältnismäßig oft Machtpositionen inne. Die Klimakrise greift aber nicht nur Machtpositionen, sondern auch oft ganze Weltbilder an. Angesichts der vielen notwendigen Veränderungen, die die Klimakrise für das industriell-kapitalistische System einfordert, überrascht es kaum, dass gerade diese Gruppe oft eine systemrechtfertigende Haltung hat. (Quelle: Naomi Klein, Green New Deal) Wenn also Machtgeklüngel und Hinterzimmergerede Maßnahmen zum Stoppen und Zukunft in Gefahr bringen und ein sexistischer Präsident aus dem Abkommen austritt, was die Krise noch eindämmen könnte, ist spätestens dann der Zusammenhang von Feminismus und Klimagerechtigkeit deutlich.  

Wir müssen die Klimakrise feministisch denken! Aber nicht nur das, sondern auch explizit antirassistisch und in dem ständigen Streben Strukturen der Unterdrückung und Diskriminierung abzubauen. Dann kann diese Krise, neben all dem Frust über die aktuelle Politik, auch eine Chance sein. Eine Chance genau diese Themen anzupacken und nachhaltig zu verändern. Eine Chance sich einzumischen und in der Klimadebatte denen eine Stimme zu geben, die unter den Folgen am Meisten leiden!Wir dürfen nicht mehr warten, sondern müssen jetzt zeigen, dass Zukunftsentscheidungen nicht nur mit der jungen Generation getroffen werden müssen, sondern auch feministisch. Daher rufen wir dazu auf, am 08. März, dem Frauen*kampftag, und am 24.04, dem nächsten globalen Streik mit uns auf die Straße zu gehen. Die Klimakrise ist die größte Krise unserer Zeit und gleichzeitig unfassbar eng mit vielen anderen Kämpfen verknüpft. Lasst uns gemeinsam für Klimaschutz, globale Gerechtigkeit, den Abbau von sozialer Ungerechtigkeit und eine feministische Politik auf die Straße gehen.