Unsere Forderungen für die Region Hannover 2021

Einleitung

Wir fordern immer noch eine Zukunft – für alle!

Die Klimakatastrophe stellt für die Natur und alle Menschen auf der Erde eine zunehmend unkontrollierbare Bedrohung dar. Wetterextreme nehmen in ihrer Häufigkeit und Schwere deutlich zu und treffen insbesondere Länder im globalen Süden schon heute sehr stark. Viele Gebiete werden in Zukunft für den Menschen unbewohnbar werden. Ohne zielorientiertes Handeln zur Verhinderung der Klimakatastrophe verschwenden wir nicht nur wertvolle Zeit, sondern verlieren zugleich die Grundlage für eine lebenswerte Welt!

Auch die Region Hannover ist direkt von den Folgen der Klimakatastrophe betroffen. Verringerte Niederschläge und die immer weiter steigenden Temperaturen zeigen bereits heute, welche Auswirkung das jahrzehntelange Ignorieren wissenschaftlicher Prognosen und Warnungen auf unsere Lebensrealität hat und lassen erahnen, welche Entwicklung in den kommenden Jahren noch bevorsteht: Die Folgen einer verfehlten Klimaschutzpolitik können und wollen wir uns nicht mehr leisten! Die Sommer werden noch extremer und heißer, die heimischen Wälder werden zu großen Teilen der anhaltenden Trockenheit erliegen und die Landwirtschaft wird um ihre Erträge kämpfen müssen – ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Folgen.

In weiten Teilen der Politik wird diese fundamentale Bedrohung noch immer nicht ernst genommen. Statt entschieden und zielorientiert zu handeln werden allzu oft wirtschaftliche Interessen über eine lebenswerte Zukunft gestellt. Die global versprochenen Klimaschutzmaßnahmen reichen derzeit nicht einmal annähernd aus, um das Pariser Klimaschutzabkommen und damit das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Das Bundesverfassungsgericht hat im Frühjahr 2021 klargestellt: Klimaschutz ist Grundrecht! Um das verbleibende CO2-Budget fair auf heutige und künftige Generationen zu verteilen, müssen die Klimaschutzmaßnahmen deutlich ambitionierter werden und die CO2-Emissionen erheblich schneller verringert werden als bisher vorgesehen.

Auch die Region Hannover und ihre Kommunen leisten aktuell nicht den erforderlichen Beitrag zu einer generationengerechten Klimapolitik. Seit der Veröffentlichung unserer Forderungen vor nunmehr zwei Jahren ist viel zu wenig passiert! Noch immer hält die Region Hannover daran fest, erst 2050 klimaneutral werden zu wollen und stellt sich damit gegen die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens. Obwohl die Stadt Hannover im Sommer 2020 beschlossen hat, bereits 2035 klimaneutral zu werden, fehlt es auch hier an konsequenten Klimaschutzmaßnahmen.

Die Klimakatastrophe kann nur mithilfe globaler Kooperation verhindert werden. Dennoch steht außer Frage, dass eine Transformation zu einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise nur gelingen kann, wenn alle politischen Ebenen den notwendigen Beitrag leisten. Aus diesem Grund ist es unabdinglich, dass auch die Region Hannover und ihre Kommunen Verantwortung übernehmen. Beständiges Ignorieren und Aussitzen hat die Klimakatastrophe im Gestern nicht aufgehalten und wird sie im Morgen noch beschleunigen.

Es braucht jetzt endlich konsequentes und entschlossenes Handeln! Die Region Hannover muss anerkennen, dass das verbleibende CO2-Budget zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels nicht verhandelbar ist und Deutschland als wohlhabendes Land zur Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens spätestens 2035 klimaneutral werden muss. Zur Erreichung dieses Ziels braucht es jetzt endlich konkrete und zielorientierte Maßnahmen. Aus diesem Grund haben wir unsere Forderungen überarbeitet und fordern die Politik weiterhin auf Verantwortung zu zeigen, um eine klimagerechte Zukunft für alle zu ermöglichen. Unsere Forderungen enthalten wichtige und notwendige Schritte auf dem Weg zu einer lebenswerten Welt.


Allgemeines & Grundsätzliches

Das Leben im Jahr 2035 in der gesamten Region Hannover ist in allen Bereichen klimaneutral. Die kommunale Politik hat die Ausmaße der Klimakrise anerkannt und handelt dementsprechend. Klimaschutz wird bei jedem Projekt mitgedacht und die klimaneutrale Infrastruktur ist gut ausgebaut.

  • Wir fordern, dass die Region Hannover und alle ihre Kommunen spätestens bis zum Jahr 2035 vollständig klimaneutral werden.
    • Die Masterpläne zum Klimaschutz der Region und aller ihrer Kommunen, insbesondere der Stadt Hannover, müssen überarbeitet werden, um die Klimaneutralität bis spätestens 2035 sicherzustellen. Die Pläne müssen spätestens bis Sommer 2022 vorgestellt werden, damit diese auch bis 2035 umgesetzt werden können. Die Pläne müssen Zwischenziele enthalten, um die Erreichbarkeit zu gewährleisten.
    • Die Verwaltungen von Stadt und Region müssen mit gutem Beispiel vorangehen und bereits im Jahr 2030 klimaneutral sein. Dies gilt für den Energieverbrauch genauso wie für das Beschaffungswesen und Geldanlagen.
    • Das Erreichen der Klimaziele muss durch engmaschige, jährliche Kontrollen gewährleistet werden, dessen Ergebnisse öffentlich, auffindbar und verständlich dargestellt werden. Falls einzelne Sektoren ihre Ziele verfehlen, muss konsequent nachgebessert werden.
    • Stadt und Region Hannover sollen auf Unternehmen, an denen sie Anteile halten, Einfluss nehmen, damit diese bis 2030 klimaneutral werden.
  • Wir fordern, dass der Klimanotstand für die Region Hannover und in allen ihren Kommunen ausgerufen und klar als solcher kommuniziert wird.
    • Alle neuen Beschlüssvorlagen der Räte in den Kommunen der Region und in der Regionsversammlung müssen unter Klimavorbehalt gestellt werden. Das heißt, dass die Klimaschutzleitstellen die Beschlüsse hinsichtlich der Klimaziele überprüfen und ggf. Anpassungen vorschlagen.
    • Noch im Jahr 2021 müssen konkrete und konsequente Klimaschutz-Sofortmaßnahmen beschlossen werden. Diese sollen die Region Hannover und alle ihre Kommunen auf einen Klimaneutralitätspfad 2035 bringen. Die Zeit drängt!
    • Die Klimaschutzleitstellen bzw. -beauftragte müssen als Stabsstelle direkt unter die Leitung der Region bzw. der einzelnen Kommunen in der Region gesetzt werden, da es sich um die zentrale Zukunftsaufgabe dieses Jahrzehnts handelt. Dazu benötigen die Klimaschutzleitstellen auch eine deutliche personelle und finanzielle Verstärkung.
    • Die Region Hannover muss sich intensiv über Klimaschutzmaßnahmen mit anderen Kommunen in Deutschland austauschen, damit die besten Klimaschutzprojekte auch in der Region Hannover umgesetzt werden können. Die Region gibt dabei Informationen entsprechend an die Kommunen der Region weiter.
  • Wir fordern, dass mehr Geld für Klimaschutz bereitgestellt wird.
    • Mindestens 10 % des Haushalts der Region und aller Kommunen innerhalb der Region müssen für klimaschutzbezogenene Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden.
    • Dieses Geld soll zum Beispiel in Fahrradinfrastruktur, ÖPNV, die Dekarbonisierung der Strom- und Wärmeversorgung (Stadtwerke), Ladeinfrastruktur, Moorschutz, klimaneutrale Verwaltung, Umstellung auf nachhaltige Ernährung in Kantinen, Förderungen von nachhaltigen Wirtschaftskonzepten, Klimabildung, Klimakommunikation und energetische Sanierungen investiert werden.
    • Die Klimaschutzagentur und der Klimaschutzfonds proKlima müssen finanziell besser ausgestattet werden, um ihre wertvolle Arbeit weiter ausbauen zu können und die genannten Projekte unter anderem durch Beratungen und Förderung zu unterstützen. Die Möglichkeiten des Klimaschutzfonds proKlima, um Förderangebote zu machen, müssen auf alle Regionskommunen ausgeweitet werden.

Bildung & Mitsprache

Ambitionierter Klimaschutz hat schon lange vor dem Jahr 2035 einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung. Die Einwohnerinnen in der Region sind gut informiert über die Klimakrise und die Möglichkeiten zu ihrer Bewältigung. In der Region Hannover gibt es ausreichend Fachkräfte in den klimarelevanten Handwerksberufen. Die Bevölkerung und insbesondere junge Menschen werden aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden.

  • Wir fordern, dass Klimakrise, Klimaschutz und Klimagerechtigkeit in Schulen, Berufsschulen, Hochschulen und Volkshochschulen umfassend behandeltwerden.
    • In Bildungseinrichtungen wie Schulen, Berufsschulen und Hochschulen muss die Klimakrise stärker thematisiert werden. Dafür müssen Unterrichts- und Lernmaterialien zur Verfügung gestellt werden, die an verschiedene Lernniveaus, Altersstufen und Fächer angepasst sind.
    • In Schulen sollen häufiger Planspiele zu Klimagerechtigkeit und Klimaschutz durchgeführt werden. Projekte wie beispielsweise die „Energiesparmodelle“, welche durch die Nationale Klimaschutzinitiative gefördert werden, müssen im Anschluss von den Kommunen weiterhin gefördert werden.
    • An jeder Schule sollen Klima-AGs eingerichtet werden. Diese sollen sich unter anderem damit beschäftigen können, wie an der Schule der CO2-Fußabdruck reduziert werden kann. Dafür sollen Materialien und Informationen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
    • An Volkshochschulen müssen verstärkt Kurse zu klimarelevanten Themen angeboten und beworben werden, wie zum Beispiel Kurse zur globaler Klimagerechtigkeit, naturnahes Gärtnern, Müllvermeidung oder Energieeinsparung.
    • Die Region und ihre Kommunen müssen aktiv Vereine und Institutionen unterstützen, die über die Klimakrise aufklären und außerschulische Bildungsangebote schaffen.
  • Wir fordern, dass mehr Menschen in klimarelevanten Berufen aus- und weitergebildet werden.
    • In der Region Hannover müssen mehr Ausbildungsplätze in klimarelevanten Branchen geschaffen werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu zählen insbesondere Handwerker*innen und Elektriker*innen, die dringend zur Umsetzung der Energie- und Wärmewende gebraucht werden.
    • Die Region Hannover und ihre Kommunen müssen verstärkt Anreize schaffen, damit junge Menschen die Ausbildungsplätze in klimarelevanten Berufen ergreifen. Hierfür ist unter anderem eine Imagekampagne für Handwerksberufe notwendig.
    • Klimarelevante Handwerksbetriebe müssen an Fortbildungen teilnehmen, um ihr Wissen im Bereich Nachhaltigkeit auszubauen. So sollten zum Beispiel mehr Elektriker*innen eine Solaranlage oder Wärmepumpe anschließen können und dürfen.
    • Die Anzahl der FÖJ-Plätze in der Region muss zum Beispiel durch Aufklärung der Betriebe erhöht werden. Die Schulen sollen über die Chancen des FÖJs informieren. Zusätzlich soll die Möglichkeit eines freiwilligen Klimajahrs (FKJ) eingeführt werden.
  • Wir fordern, dass Menschen, die in der Verwaltung oder in Bildungseinrichtungen arbeiten, regelmäßig verpflichtend zu Klimakrise, Klimaschutz & Klimagerechtigkeit weitergebildet werden.
    • Mitglieder der Räte in allen Kommunen der Region Hannover und in der Regionsversammlung, sowie in der Verwaltung, insbesondere im Umwelt-, Finanz-, Wirtschafts-, Bildungs-, Bau- und Verkehrsbereich, müssen einmal jährlich eine Klimaschutzfortbildung besuchen. Diese Fortbildungen sollen von der kommunalen Klimaschutzmanager*in oder der Klimaschutzleitstelle vorbereitet werden.
    • Lehrkräfte müssen zweimal im Jahr in Fortbildungen auf den neuesten Stand in der Klimaforschung gebracht werden. Hierfür muss ein umfassendes Konzept erarbeitet werden, um Lehrkräfte aus unterschiedlichsten Unterrichtsfächern zu unterstützen, die aktuellen und zukünftigen Folgen der Klimakrise sowie Möglichkeiten des Klimaschutzes im Unterricht zu thematisieren.
    • Angestellten in der Verwaltung und in Bildungseinrichtungen muss die Möglichkeiten geboten werden, klimaneutralen Bildungsurlaub zu Themen der Klimagerechtigkeit und des Klimaschutzes wahrzunehmen.
    • In jeder kommunalen Verwaltung muss die Stelle eine*r Klimaschutzmanager*in besetzt werden. Die Klimaschutzmanager*innen müssen bei allen politischen wie planerischen Entscheidungen mit eingebunden werden und sind mit einem Vetorecht ausgestattet, welches sie im Falle eines Klima-Vorbehalts in Anspruch nehmen können.
  • Wir fordern, dass Bürger*innen und dabei vor allem junge Menschen stärker in Entscheidungen der Klimapolitik einbezogen werden.
    • Die Region Hannover soll einen Klimajugendrat einrichten. Dieser soll ein Vorschlagsrecht für Maßnahmen zum Klimaschutz bekommen. Sollte bei der Veröffentlichung einer CO2-Bilanz festgestellt werden, dass die Region und ihre Kommunen nicht auf Kurs sind, um die Klimaneutralität 2035 zu erreichen, soll dem Rat zusätzlich die Möglichkeit gegeben werden, Anhörungen einzuberufen.
    • Der Klimaweisenrat darf nicht weiterhin ignoriert werden. Mitgliedern des Rates muss die Möglichkeit eingeräumt werden, an sämtlichen Ausschusssitzungen in der Region Hannover im öffentlichen und nicht-öffentlichen Teil anwesend zu sein. Desweiteren sollen die Mitglieder Rederecht genießen.
    • Die Region Hannover soll einen repräsentativen Bürger*innenrat einberufen, der bis Sommer 2022 einen Maßnahmenkatalog ausarbeiten soll, der die Region auf den Kurs der Klimaneutralität bis 2035 bringt.
    • Die Verwaltungen der Region Hannover und ihrer Kommunen müssen Bürger*innen, Unternehmen und Vereine aktiv und transparent in Entscheidungsprozesse mit einbeziehen. Diese Beteiligungsprozesse sollen einladend gestaltet werden.
  • Wir fordern, dass Bürger*innen und dabei vor allem junge Menschen stärker in Entscheidungen der Klimapolitik einbezogen werden.
    • Die Region Hannover soll einen Klimajugendrat einrichten. Dieser soll ein Vorschlagsrecht für Maßnahmen zum Klimaschutz bekommen. Sollte bei der Veröffentlichung einer CO2-Bilanz festgestellt werden, dass die Region und ihre Kommunen nicht auf Kurs sind, um die Klimaneutralität 2035 zu erreichen, soll dem Rat zusätzlich die Möglichkeit gegeben werden, Anhörungen einzuberufen.
    • Der Klimaweisenrat darf nicht weiterhin ignoriert werden. Mitgliedern des Rates muss die Möglichkeit eingeräumt werden, an sämtlichen Ausschusssitzungen in der Region Hannover im öffentlichen und nicht-öffentlichen Teil anwesend zu sein. Desweiteren sollen die Mitglieder Rederecht genießen.
    • Die Region Hannover soll einen repräsentativen Bürger*innenrat einberufen, der bis Sommer 2022 einen Maßnahmenkatalog ausarbeiten soll, der die Region auf den Kurs der Klimaneutralität bis 2035 bringt.
    • Die Verwaltungen der Region Hannover und ihrer Kommunen müssen Bürger*innen, Unternehmen und Vereine aktiv und transparent in Entscheidungsprozesse mit einbeziehen. Diese Beteiligungsprozesse sollen einladend gestaltet werden.

Strom & Wärme

In und um Hannover wird Energie ausschließlich klimaneutral erzeugt. Diese ist für alle zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Durch eine effiziente, dezentrale und vernetzte Infrastruktur ist eine zuverlässige Versorgung mit erneuerbarer Energie sichergestellt.

  • Wir fordern eine Stromversorgung aus 100 % erneuerbaren Energien in der gesamten Region Hannover bis 2026. Dafür muss die Region Vorreiterin beim Ausbau der Wind- und Solarenergie werden.
    • Im Kraftwerk Stöcken dürfen ab dem Jahr 2026 keine fossilen Energieträger mehr verbrannt werden.
    • Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss stark beschleunigt werden. Die Region und alle ihre Kommunen sowie ihre kommunalen Unternehmen müssen sich über alle möglichen Wege für entsprechende Anreize zum Ausbau der erneuerbaren Energien auf Bundesebene einsetzen.
    • Jährlich müssen mindestens 40 neue Windenergieanlagen in der Region Hannover (inkl. Stadt) gebaut werden, für welche die Region ausreichend Flächen schafft und mittels Bürger*innenbeteiligung Bürger*innen in die Planungen einbezieht. Auch müssen bestehende Windenergieanlagen erhalten bleiben oder durch ein entsprechendes Repowering ersetzt werden, sofern dies notwendig wird.
    • Täglich müssen mindestens 20 Dächer in der Stadt und mindestens 35 Dächer in den Regionskommunen mit neuen Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Die Region und sämtliche Kommunen sollen dies durch eine Informationskampagne und durch ihren Einfluss auf die städtischen Wohnungsbaugesellschaften unterstützen. Außerdem müssen die Stadtwerke der Region (u.a. enercity) entsprechende Dächer für Photovoltaikanlagen pachten und/oder Contracting-Lösungen anbieten.
    • Da bei einer kompletten klimaneutralen Energieversorgung auch entsprechende Energiespeicher notwendig sind, muss die Stadt Hannover Planungen für einen Wasserstoffkavernenspeicher inkl. entsprechender Brennstoffzellen und Elektrolyseanlagen in Empelde beginnen.
  • Wir fordern eine Wärmeversorgung aus 100 % erneuerbaren Energien in der gesamten Region und all ihren Kommunen bis 2030.
    • Ab dem Jahr 2030 dürfen in den Kraftwerken Linden und Herrenhausen keine fossilen Energieträger mehr verbrannt werden.
    • Die Fernwärme muss auf einen breiten erneuerbaren Energiemix umgestellt werden. Neben der Nutzung von lokalen Wärmequellen (vor allem Abwärme) wird auch Solarthermie mit saisonalen Speichern notwendig sein.
    • Zur Steigerung der Fernwärmeversorgungsquote und der Effizienz des Wärmenetzes in den Quartieren, müssen Stadt und Region die Grundlage für eine Anschluss- und Benutzungspflicht an das Fernwärmenetz in verdichteten Versorgungsgebieten sorgen. Die Stadt muss als Mehrheitseigentümerin von enercity ein Gremium einrichten, welches die Preiskontrolle für das Wärmenetz vornimmt, solange keine bessere Regelung auf Landes- oder Bundesebene in Kraft tritt.
    • Die Region muss den Aufbau eines flächendeckenden Wärmekatasters in die Wege leiten. Durch eine solche flächendeckende Energieplanung für alle Stadtviertel wird im Detail planerisch festgelegt, wie jeweils bis 2030 eine 100 % erneuerbare Wärmeversorgung für jedes Quartier zu realisieren ist und welche lokalen Wärmequellen zur Versorgung von Haushalten und Wirtschaft zur Verfügung stehen.
  • Wir fordern, dass alle Kommunen in der Region Hannover und die Region selbst bei der Energieversorgung zum Vorbild werden. Dafür sollen sich alle kommunalen Verwaltungen in derRegion, insbesondere die Stadt Hannover, bereits 2022 komplett mit erneuerbarem Strom versorgen und ihre Wärmeversorgung bis 2026 klimaneutral umstellen.
    • Alle geeigneten kommunalen Dächer und Fassaden (inkl. der öffentlichen Unternehmen, Schulen und Sportstätten) müssen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden.
    • Alle kommunalen Gebäude müssen entweder ans klimaneutrale Fernwärmenetz angeschlossen oder mit Wärmepumpen nachgerüstet werden.
    • In allen kommunalen Gebäuden (inkl. der öffentlichen Unternehmen, Schulen und Sportstätten) in der Region müssen Energieeffizienzmaßnahmen durchgesetzt werden, wie z.B. die Umstellung auf LED-Beleuchtung, den Einbau von Lüftungsanlagen mit Luft-Wärme-Tauscher, bewegungsmeldergesteuerte Beleuchtung und regelmäßige Hinweise zur Energieeffizienz und -suffizienz insbesondere zum Thema Heizen und Lüften. Die Region Hannover und alle ihre Kommunen müssen regelmäßig über ihre Effizienzmaßnahmen berichten und der Öffentlichkeit geeignete Materialien (wie zum Beispiel die Hinweise zur Energieeffizienz) zur Verfügung stellen.

Ernährung & Landwirtschaft

Die Menschen in der Region Hannover haben Spaß an einer bewussten, ausgewogenen und vorwiegend pflanzlichen Ernährung, die auch in allen Kantinen und Mensen in der Region die Regel ist. Sie profitieren auch gesundheitlich von Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft, die überwiegend regional und mit geringem Ausstoß von Treibhausgasen produziert werden. Es werden so gut wie keine Lebensmittel mehr weggeworfen. Überall können Speisen, Getränke und Lebensmittel unverpackt oder in wiederverwendbaren Behältnissen gekauft werden.

  • Wir fordern, dass alle landwirtschaftlichen Betriebe in der gesamten Region Hannover spätestens ab 2030 ökologisch sowie regenerativ betrieben werden, sodass alle Felder durch einen wachsenden Humusaufbau im Boden als CO2-Senke dienen und so einen entscheidenden Beitrag zur schnellen Klimaneutralität und Biodiversität leisten.
    • Ab 2022 dürfen Neuverpachtungen und Pachtverlängerungen von kommunalen Flächen in der Region Hannover nur zur ökologischen Landwirtschaft abgeschlossen werden.
    • Die Umstellungsprozesse auf ökologische Landwirtschaft müssen mit konkreten Rahmenvorgaben, finanziellen Förderprogrammen und Beratungsangeboten unterstützt werden. Dabei müssen Landwirt*innen entsprechend mit einbezogen werden.
    • Die Region und ihre Kommunen müssen Bauernmärkte und andere Selbstvermarktungsinitiativen aktiv fördern.
    • Neue industrielle Tierhaltung darf nicht mehr genehmigt werden. Erweiterungen bestehender Anlagen werden nur dann genehmigt, wenn sie zu weniger Tieren und zu deutlich besserem Tierwohl (mehr Platz, Auslauf) führen.
  • Wir fordern, dass in allen Kantinen, Mensen und Essensausgaben ab spätestens 2023 ausschließlich gesundes und klimafreundliches Essen angeboten wird. Alle Menschen werden dazu ermutigt, einen umweltbewussten und gesunden Ernährungsstil zu pflegen.
    • Klimafreundliche Ernährung basiert auf saisonalen, regionalen, tierprodukt- und verpackungsarmen Nahrungsmitteln.
    • In allen Einrichtungen, die von der Region oder ihren Kommunen selbst betrieben oder verwaltet werden, muss die Umstellung auf ein klimafreundliches Ernährungsangebot bereits ab Januar 2022 vollzogen sein. Das gilt ganz besonders für Bildungseinrichtungen im Kinder- und Jugendbereich, aber auch Mensen und Kantinen. Außerdem muss die Region über die Wirtschaftsverbände auch die Unternehmen auffordern, ihre Verpflegungsangebote entsprechend umzustellen.
    • In allen Kantinen müssen ab Januar 2022 vegetarische und vegane Gerichte jeweils mindestens zwei Drittel des Angebots ausmachen. Alle Mahlzeiten müssen möglichst frisch zubereitet werden. Allen Menschen muss es möglich sein, sich diese Mahlzeiten zu leisten. In der Regel soll ein veganes Gericht das günstigste sein.
    • Alle Menschen in der Region müssen mit Informationskampagnen aufgeklärt werden, welche positive Auswirkung auf das Klima eine Ernährung nach den oben genannten Kriterien hat.
    • Die Region und ihre Kommunen müssen sich auf Landesebene für die Integration nachhaltiger und gesunder Ernährung in die Lehrpläne einsetzen.
  • Wir fordern, dass in der gesamten Region Hannover keine Lebensmittel verschwendet werden.
    • Bei Herstellern, Handels- und Verpflegungseinrichtungen überzählige oder aussortierte Lebensmittel müssen sozialen Einrichtungen oder Food-Sharing-Initiativen zur weiteren Verwendung übergeben werden.
    • Die Region und ihre Kommunen müssen vorhandene und neu entstehende „Tafeln“ und vorgenannte Initiativen finanziell fördern und Möglichkeiten schaffen, dass sich gebende Betriebe und nehmende Einrichtungen finden können.
    • Die Region muss über die Wirtschaftsverbände auch die Unternehmen dazu auffordern, noch verwertbare Lebensmittel an oben genannte Einrichtungen und Initiativen weiterzugeben.
    • Die Region und ihre Kommunen müssen die Landespolitik auffordern, über Bundesrat und Bundestag eine Gesetzgebung zu starten, die die Lebensmittelweitergabe klar regelt (wie beispielsweise in Frankreich). Bis zu dieser Regelung muss „Containern“ straffrei sein.
  • Wir fordern, dass To-Go-Verpflegung nur noch unverpackt oder in Pfandverpackungen verkauft wird. Der Pfandbetrag muss so hoch sein, dass Verpackungen nicht mehr weggeworfen werden.
    • Die Stadt und Region müssen ein firmen- und einrichtungsübergreifendes Pfandsystem für Mehrwegsysteme unterstützen. Initiativen wie „Hannoccino-Becher“ müssen auf die gesamte Region ausgeweitet werden. Sozial benachteiligten Gruppen muss ermöglicht werden, erleichterten Zugang zum Pfandsystem zu bekommen.
    • Die Einführung einer besonderen und erheblichen Besteuerung der Speise- und Getränkeeinwegverpackungen und der Einsatz für eine solche Besteuerung auf Landes- oder Bundesebene durch die Region und ihre Kommunen muss angestrebt werden. Pilotprojekte in diesem Feld müssen von Stadt und Region ausgearbeitet und umgesetzt werden. Die Einwegsteuer aus dem Tübinger Modell kann dabei als Beispiel dienen.
    • Alle Menschen in der Region müssen durch Informationskampagnen über Mehrwegverpackungen aufgeklärt werden. Außerdem sollen Anreize zum alltäglichen Gebrauch gesetzt werden.
    • Die Region und ihre Kommunen müssen alle nicht-recyclebaren Lebensmittelverpackungen verbieten sowie biologisch abbaubareVerpackungen und unverpackte Lebensmittel fördern. Dies schließt insbesondere Geschäfte ein, die unverpackte Lebensmittel verkaufen. Unverpackte Lebensmittel müssen immer günstiger sein als gleichwertige Lebensmittel in Verpackungen.

Wohnen & Bauen

Die Gebäude in der Region Hannover tragen aktiv zum Erreichen der Klimaneutralität und dem Erhalt der Artenvielfalt bei. Die Dächer und Fassaden sammeln Solarenergie und sind an vielen Stellen begrünt. Wohnräume können günstig und effizient gekühlt und beheizt werden. Menschen aller Bevölkerungsgruppen und Generation können sich so in der Region zu Hause wohlfühlen.

  • Wir fordern, dass in der Region Hannover ab 2035 nur noch energieeffiziente Gebäude stehen.
    • Die Region Hannover und ihre Kommunen müssen sich dafür einsetzen, dass mindestens 4% der Gebäude in der Region pro Jahr saniert werden. Grundsätzlich muss die Modernisierung von Bestandsgebäuden Vorrang vor Neubauten haben.
    • Private und staatliche Akteur*innen müssen verpflichtet werden, nach den besten und aktuellsten Wärmedämmungsstandards zu bauen und zu sanieren. Dafür dürfen die Kommunen und die Region ab sofort nur klimafreundliches Neubauen entsprechend dem Passivhausstandard und Sanieren nach mindestens KfW-Effizienzhaus-Standard 40 genehmigen.
    • Erneuerbare Energie soll über Wärmepumpen oder das Fernwärmenetz in den Gebäuden verwendet werden. Der Einbau von neuen Gas- und Ölheizungen muss spätestens 2023 verboten sein. Wärmepumpen können dabei in Zukunft auch effizient die Räume im Sommer kühlen. Die Region Hannovermuss die Kommunen beim Ausbau von Nah- und Fernwärmenetzen unterstützen, damit unter anderem Abwärme lokaler Industrie- und Gewerbebetriebe genutzt wird.
    • Bei Neubauten muss eine Pflicht zur Installation von Photovoltaikanlagen eingeführt werden. Die Region und ihre Kommunen sollen dafür werben, dass auch auf den Bestandsgebäuden Photovoltaikanlagen nachgerüstet werden.
    • Der Denkmalschutz darf Klimaschutzmaßnahmen nur in Ausnahmefällen blockieren. Die Kommunen der Region Hannover müssen in Betracht ziehen, sogenannte „städtebauliche Sanierungsmaßnahmen“ bezüglich der Gebäudeeffizienz nach dem Baugesetzbuch anzuordnen, die von Gebäudeeigentümer*innen kurzfristig umzusetzen sind.
  • Wir fordern, dass bei Neubauten und Sanierungen klimafreundlichen Materialien eingesetzt werden.
    • Sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen sollen nachwachsende und in ihrer Herstellung energiearme Dämmstoffe verwendet werden. Dies sind z. B. Naturfaserdämmungen wie Holzfaser, Cellulose, Hanf und Stroh.
    • Der Einsatz an grauer Energie für Baustoffe muss minimiert werden. Dies gilt auch für die Herstellung, Transportwege, Montage und Entsorgung.
    • Für tragende Strukturen ist die Verwendung von Holzbauelementen zu forcieren und finanziell zu fördern.
    • Sanierungen müssen immer Vorrang vor Abriss und Neubau haben. Sollte der Abriss von Gebäuden wirklich notwendig sein, müssen die Materialien wieder zum Bauen verwendet werden.
  • Wir fordern, dass die Region und ihre Kommunen eine Vorbildfunktion bei energieeffizienten Gebäuden einnehmen. Dafür schließen sie die energetische Sanierung ihrer eigenen Gebäude schon bis 2030 ab.
    • Die Dächer und Fassaden aller öffentlichen Einrichtungen und Behörden müssen soweit möglich mit Photovoltaik bzw. Solarthermie ausgestattet werden. Die dafür ungeeigneten Fassaden und Dachflächen müssen begrünt werden. Dies verbessert die Luft und das Klima vor Ort.
    • Die Gebäude müssen mindestens nach Passivhausstandard gedämmt werden. Das heißt unter anderem, dass sie alle über eine starke Dämmung und einen Luftwärmetauscher verfügen.
    • Alle Bauprojekte in der Region müssen ab sofort aus regionalen, kreislauffähigen, schadstofffreien und klimapositiven Materialien zur späteren Wieder- und Weiterverwendung geplant und gebaut werden. Der Einsatz von Beton muss auf diejenigen Anwendungen reduziert werden, für die keine Alternativen zur Verfügung stehen, hierbei ist stets die klimafreundlichste Betonart zu verwenden. Gleiches gilt für den Einsatz von Aluminium und Stahl. Verbundstoffe sollen vermieden werden, um ein möglichst vollständiges Recycling nach Abriss der Gebäude zu ermöglichen.
    • Die Regionsverwaltung muss durch ihre eigenen Bauprojekte und darüber hinaus Know-How zum klimafreundlichen Bauen (Baustoffe, Energie, Fläche) aufbauen, indem Bauvorhaben wie z.B. Strohballenhäuser (auch schon in unserer Region vorhanden) oder massive Holzbauweise (siehe Üstra-Wohnungen in Vahrenwald) durch offensive Anreize, Ermutigung, Initiierung und Genehmigung als Vorbilder auf den Weg gebracht werden. Mit diesem Know-How und entsprechenden Informationsangeboten soll die Region Hannover ihre Kommunen sowie Bürger*innen beim klimafreundlichen Bauen unterstützen.
  • Wir fordern, dass keine Bauvorhaben zulasten von Menschen mit geringen Einkommen und/oder wenig Vermögen gehen.
    • Bei klimaneutralen Neubauten müssen immer auch Sozialwohnungen oder solche mit niedrigen Mieten angeboten werden. Günstige Mietwohnung müssen auch in zentralen Lagen angeboten werden.
    • Alle Sanierungen an Wohngebäuden müssen so umgesetzt werden, dass sich in der Folge die Warmmiete nicht erhöht.
    • Die Wärmenetze in der Region Hannover müssen gemeinnützig betrieben werden.

Umwelt & Natur

Die Region Hannover ist im Jahr 2035 lebendig, bunt und vielfältig. Menschen, Tiere und insbesondere Insekten fühlen sich wohl in einer reichhaltigen Natur mit Blühwiesen und sattgrünen Wäldern. Die vielen gesunden Bäume und Moore in der Region dienen als effiziente CO2-Speicher.

  • Wir fordern den Schutz der bestehenden und die Wiedervernässung der trockengefallenen Moore in der Region Hannover bis 2026.
    • Die Region Hannover muss eine Moorstrategie mit Handlungsplan und jährlichem Monitoring entwickeln. Moorschutzmaßnahmen müssen rechtlich konsequent durchgesetzt werden. Zur Umsetzung muss eine Moorschutz-Taskforce eingesetzt werden. Für dieses Ziel sollen Partner*innenschaften mit anderen Moorschutzgebieten in Niedersachsen eingegangen werden.
    • Torfstechen und Torfnutzung müssen schnellstmöglich verboten werden. Bis dahin soll über den Klimaeinfluss der Torfnutzung und mögliche Alternativen aufgeklärt werden. Das betrifft die Wirtschaft, aber auch Privatpersonen, Kleingartensiedlungen, Parkverwaltungen und Kirchen.
    • Die aktuelle landwirtschaftliche Nutzung von Moorflächen muss bis 2028 halbiert werden. Bis 2025 muss der Ackerbau auf Moorflächen verboten sein.
    • Im Jahr 2026 muss sämtliche landwirtschaftliche Nutzung von Moorflächen klimafreundlich sein. Innovative Ansätze sollen eine Förderung erhalten. Ein Beispiel kann hier der Anbau von Schilfen und Moosen (Paludikultur) sein.
  • Wir fordern, dass die Wälder und Bäume in Stadt und Region Hannover besser geschützt werden. Der Baumbestand muss außerdem vergrößert werden.
    • An Stellen an denen Kahlschlag erfolgt ist oder das Blätterdach erhebliche Lücken aufweist, müssen hitze- und trockenheitsresistente Bäume nachgepflanzt werden.
    • 50% der Waldfläche der Region Hannover sollen als komplett naturbelassenes Gebiet ausgewiesen werden, in dem keine Bewirtschaftung stattfindet, um so die CO2-Speicherkapazität zu erhöhen.
    • Bis 2035 sollen jedes Jahr 2.000 neue Straßenbäume in den Kommunen der Region Hannover gepflanzt werden. Bevorzugt sollen diese an Orten gepflanzt werden, die im Sommer zu Hitzeinseln werden.
  • Wir fordern, dass die Region Hannover und die dazugehörigen Kommunen umweltfreundlicher werden. Bei Tieren, aber auch bei Pflanzen und Insekten soll die Artenvielfalt geschützt werden.
    • An allen möglichen Feldwegen, Radwegen und Straßen in der gesamten Region müssen Hecken und (Obst-)Bäume gepflanzt und Blühwiesen angelegt werden.
    • Öffentliche Rasenflächen außerhalb von Sport- und Parkanlagen müssen in natürliche Blühwiesen umgewandelt werden. In Parkanlagen sollen Blühwiesen einen Flächenanteil von mindestens 20% einnehmen.
    • Beim Mähen öffentlicher Grünflächen, u.a. an Straßenrändern, muss auf Blühzeiten Rücksicht genommen werden.
    • Das Verbot von Schottergärten muss konsequent durchgesetzt werden. Im Jahr 2025 müssen sämtliche Schottergärten in Grünflächen umgewandelt worden sein.
  • Wir fordern, dass Stadt und Region Hannover mit ihrem Wasser besser haushalten.
    • Versiegelte Flächen müssen mindestensin teilversiegelte Flächen umgewandelt werden, wo immer dies möglich ist. Im besten Fall wird die Flächenversiegelung komplett aufgehoben. Zusätzliche Versickerungs- und Rückhalteflächen müssen angelegt werden.
    • Regenwasser und Wasser aus Kläranlagen muss zur Bewässerung der hannoverschen Grünflächen, Wälder und Moore genutzt werden. Das Ableiten von Wasser in Flüsse soll weitgehend verhindert werden.
    • Die Region fördert den schrittweisen Umbau der kommunalen Abwassersystemen, bei denen Regenwasser und Abwasser getrennt abgeleitet werden. Das Regenwasser kann dabei gesammelt und zur Grünflächenbewässerung, etc. genutzt werden.
    • Statt gereinigtes Abwasser in die Leine zu entlassen muss dieses versickert werden, um so den Grundwasserspiegel zu stabilisieren.

Mobilität & Infrastruktur

Die Bürger*innen in der Region Hannover sind schnell und sicher unterwegs und können dabei alle Ziele klimaneutral vor allem zu Fuß sowie mit Rad, Bus und Bahn erreichen. Fahrrad- und Fußverkehr sowie der ÖPNV haben bei allen Planungen und bei der Flächenverteilung Priorität vor dem motorisierten Individualverkehr. In der gesamten Region ist der ÖPNV flächendeckend zuverlässig und ticketlos. Auch Waren und Güter werden in der Region Hannover klimaneutral transportiert und zugestellt.

  • Wir fordern einen ticketlosen und zuverlässigen ÖPNV bis 2024 und eine schnelle Anbindung aller Ortschaften und Städte in der Region Hannover bis 2027.
    • Eine Takterhöhung und ein Ausbau des Streckennetzes der Üstra und von Regiobus sind notwendig. Um zusätzliches Personal anzuwerben, müssen die Üstra und regiobus gezielt ihre Arbeitsbedingungen verbessern und so die Attraktivität des Berufes der Bus- und Bahnfahrer*innen steigern. In Gegenden mit geringer Besiedlung muss mit geeigneten On-Demand-Lösungen mit Anschlussgarantie das Streckennetz erweitert werden.
    • Zur Steigerung der Attraktivität ist es notwendig, dass alle ihre Verkehrswege einfach mit mehreren Verkehrsmitteln (Bus, Stadtbahn, S-Bahn, Fahrrad, zu Fuß) über eine App planen können, z.B. durch die Erweiterung der GVH-App u.a. mit der Integration von existierenden On-Demand-Dienste.
    • Bahnen und Busse sollten außerdem auch zu jeder Uhrzeit Fahrräder mitnehmen können.
    • Haltestellen müssen mit dem Fahrrad und zu Fuß erreichbar und barrierefrei zugänglich sein. Um besonders Elektrofahrräder diebstahlgesichert abstellen zu können, müssen ausreichend sichere und überdachte Fahrradstellplätzen an allen Bahnhöfen in der Region bis 2024 nachgerüstet werden.
    • Auch das elektrische Carsharing-Angebot für lange Strecken bzw. den Transport von sperrigen Gegenständen muss ausgebaut werden.
  • Wir fordern, dass die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass Strecken unter 5 km von möglichst vielen Menschen bevorzugt mit dem Fahrrad oder zu Fuß schnell und sicher zurückgelegt werden. Außerdem fordern wir, dass sämtliche Neuplanungen von Straßen die Situation von ÖPNV, Fußgänger*innen und Radfahrer*innen deutlich verbessern.
    • Bei allen Umgestaltungen und Neuschaffungen von Straßen muss die Wirksamkeit zur Erreichung der Klimaschutzziele dargelegt werden. Außerdem müssen alle Ampelschaltungen in der gesamten Region Hannover fußgänger*innen- und fahrradfreundlich werden. In allen Stadtteilen von Hannover und den Umlandkommunen werden weitere Fußgängerinnenzonen eingerichtet.
    • Die Velorouten werden bis 2024 umgesetzt. Alle Umlandkommunen müssen bis 2027 über Radschnellwege an die Stadt Hannover angeschlossen werden. Die Umlandkommunen werden auch direkt miteinander über Radschnellwege verbunden.
    • In der Stadt und Region werden ausreichend Parkplätze für Fahrräder und Lastenräder gebaut. Besonders für Lastenräder und Elektrofahrräder müssen auch im Straßenraum gesicherte und überdachte Abstellmöglichkeiten geschaffen werden.
    • An Straßen gehören mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h mindestens 2,5 m breite (je Richtung), vom Kraftfahrzeugverkehr baulich getrennte Radwege. Die Realisierung darf nicht auf Kosten der Fußwege geführt werden, sondern zum Beispiel durch eine Reduzierung der Kfz-Fahrspuren oder des Kfz-Parkraums. Außerdem werden Rad- und Fußwege sichtbar voneinander getrennt.
    • Die Region und Stadt Hannover fördern einen leistungsstarken Lastenradverleih. Dieser funktioniert auch über eine App und bietet verschiedene Fahrradtypen an. In jedem Stadtteil der Landeshauptstadt Hannover bzw. in jeder Kommune stehen ausreichend Räder zur Verfügung.
  • Wir fordern ein Verbot von privaten Autos im Innenstadtring bis 2022 und eine Reduktion des Autoverkehrs in der gesamten Region Hannover um 50 % bis 2035. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor dürfen ab 2030 in der Umweltzone und ab 2035 in der gesamten Region Hannover nicht mehr fahren.
    • Die Elektroladeinfrastruktur in der gesamten Region Hannover muss ausgebaut werden.
    • Der Autoverkehr in der gesamten Stadt Hannover und in den Umlandkommunen muss sukzessive reduziert werden u.a. durch Reduzierung der Stellplätze im öffentlichen Raum. Weitere Möglichkeiten zur Reduktion des Autoverkehrs sind eine Citymaut und die Reduktion der Höchstgeschwindigkeit in der Landeshauptstadt auf 30 km/h.
    • Durch die Unterstützung von dezentralen Einkaufsmöglichkeiten ermöglichen Stadt und Region ihren Bürger*innen kürzere Wegstrecken für Erledigungen.
  • Wir fordern, dass die Anlieferungen von Waren und Paketen, sowie Dienstleistungen emissionsfrei erfolgen. Die Stadt Hannover und die Umlandkommunen in der Region schaffen Möglichkeiten, diese Anlieferungen emissionsfrei vorzunehmen, ohne dass andere Verkehrsteilnehmer*innen und Anwohner*innen in ihrer Mobilität einschränkt werden.
    • Lastenräder für lokale Unternehmen wie Handwerksbetriebe, Lieferdienste und andere müssen gefördert werden.
    • Zur Reduktion der Emissionen legt die Stadt verbindliche emissionsfreie Zonen samt Einführungsjahr fest, sodass sich die Unternehmen bereits auf die Umstellung einstellen können.
    • Damit die Anlieferung von Waren in der Stadt nicht zur Blockade anderer Verkehrsteilnehmer*innen führt, stellt die Stadt flächendeckend Entladungszonen für Lieferdienste bereit.

Finanzen & Wirtschaft

Die Wirtschaft der Region Hannover ist vollständig klimaneutral und alle Wertschöpfungsprozesse sind im Sinne einer Kreislaufwirtschaft organisiert. Auf diese Weise trägt das wirtschaftliche Handeln in der Region aktiv zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele bei. Dazu wurden politische Rahmenbedingungen geschaffen, die es allen wirtschaftlich Agierenden erlauben, ihre Entscheidungen an der sozialen und ökologischen Verträglichkeit auszurichten und ihre eigenen Ziele mit dem Wohl von Mensch und Natur zu verbinden. Die Region Hannover ist damit führend im nachhaltigen Wirtschaften und ein Vorbild für andere Regionen.

  • Wir fordern, dass die Geld- und Anlagepolitik der Region und der Kommunen stärker an Klimaschutz und den globalen Nachhaltigkeitszielen orientiert werden. Dafür müssen auch die Sparkassen in die Pflicht genommen werden.
    • Wir fordern die Region und Stadt Hannover dazu auf, eine Vermögens- und Anlagerichtlinie zu beschließen, die detaillierte Ausschluss- und Positivkriterien für alle aktuellen sowie zukünftigen Kapitalanlagen beinhaltet, unabhängig von ihrer Laufzeit.
    • Alle Kapitalanlagen und Kredite müssen mit dem Pariser Klimaschutzabkommen und den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs), die von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet wurden, in Einklang gebracht werden. Kapitalanlagen, die damit noch nicht im Einklang stehen, müssen schnellstmöglich abgestoßen werden. Darüber hinaus sollten Kapitalanlagen aktiv genutzt werden, um sozial-ökologische Transformationen finanziell zu fördern.
    • Wir fordern die gewählten Vertreter*innen der Kommunen und der Region dazu auf, bei den Sparkassen auf klare Ausschlusskriterien für unethische und umweltschädliche Finanzierungen hinzuwirken und gemeinwohlorientierte Positivkriterien für jegliche Finanzprodukte einzubringen.
  • Wir fordern die Unterstützung von Projekten zur Kreislaufwirtschaft.
    • Um die Verbraucher*innen zur Reparatur statt zum Neukauf zu motivieren, müssen die Reparaturbetriebe Hannovers im Internet, u.a. auf einer gemeinsamen Website sowie im Straßenbild sichtbarer gemacht werden. Bestehende, zivilgesellschaftliche Repair-Cafés, Tauschläden und Werkstätten sollten z. B. mit Informationskampagnen und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden. Zusätzlich muss der Aufbau von neuen Repair-Cafés, Tauschläden und Werkstätten finanziell gefördert werden, um Reparaturstrukturen in den einzelnen Stadtteilen entstehen zu lassen. Bis 2030 muss es mindestens eine dieser zivilgesellschaftlichen Reparatureinrichtungen pro 10.000 Einwohner*innen geben.
    • Es gilt die Abfallproduktion – insbesondere nicht recycelbarer Materialien – im Stadtgebiet weiter zu reduzieren. Hierfür bietet sich eine Erhöhung der Restmüllgebühren an.
    • Die Region Hannover fördert die Ansiedlung von Unternehmen, die sich auf das Recycling spezialisieren. Die Region strebt an, dass bis 2035 alle in der Region Hannover anfallenden Abfälle recycelt werden. Regionseigene oder Kommunale Entsorgungsunternehmen sollen hierfür bis Mitte 2022 Pläne erarbeiten und schnellstmöglich mit der Umsetzung dieser Pläne beginnen.
    • Öffentliche Unternehmen und Einrichtungen des Gesundheitssektors sind aufzufordern, Kunststoff- und Metallabfälle zu reduzieren und möglichst Mehrwegutensilien zu verwenden. Die Abfälle sollen verpflichtend vorsortiert entsorgt werden.
  • Wir fordern den Umbau der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region Hannover mit dem Ziel für den Klimaschutz wichtige und ökologisch nachhaltige Unternehmen zu gewinnen und zu stärken. Außerdem muss die Unterstützung von klimaschädlichen und unsozialen Unternehmen eingestellt werden.
    • Unternehmen, die erneuerbare Energiequellen installieren und den Energieverbrauch (z. B. von Gebäuden) senken, müssen unterstützt werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und bereits bestehende zu sichern.
    • Mit der Messe Hannover müssen Stadt und Region ihrer Verantwortung gerecht werden und ausschließlich klimaneutrale Messen ausrichten. Klimaneutrales Wirtschaften bzw. Handeln sollte Basis jeder in Hannover veranstalteten Messe sein.
    • Es müssen Anreize dafür geschaffen werden, dass Unternehmen und die zugehörigen Wertschöpfungsketten klimaneutral und fair handeln.
    • Konjunkturhilfen sind für Geschäftsmodelle einzurichten, die Lösungen für den Natur- und Klimaschutz entwerfen und umsetzen, aber sich aktuell noch nicht selbst tragen.
  • Wir fordern, dass die Region und ihre Kommunen ab sofort Klimaneutralität zum wichtigsten Kriterium für ihr eigenes Handeln erheben.
    • Klimaneutralität muss als Kriterium in öffentliche Ausschreibungen aufgenommen werden
    • Der Treibhausgasausstoß der regionseigenen Unternehmen, Behörden und sonstigen Einrichtungen muss bis 2025 um 75 % reduziert werden, bis 2030 müssen sie klimaneutral sein.
    • Auch in allen anderen Sektoren müssen bei öffentlichen Ausschreibungen kreislauffähige Produkte bevorzugt werden. Darüber hinaus soll die Region ein Programm erarbeiten, das Unternehmen dazu bringt, Produkte reparierbar, kreislauffähig und langlebig zu gestalten.

Schlusswort

Uns ist bewusst, dass wir tiefgreifende Veränderungen in der Politik und Gesellschaft unserer Region fordern. Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel verfehlen, sind die dadurch entstehenden Klimaschäden an unserer Zukunft nicht mehr umzukehren. Wirtschaftliches Wachstum oder eine schwarze Null werden keine Bedeutung mehr haben, wenn unsere Lebensgrundlage erst einmal vernichtet ist.

Es wird wesentlich weniger kosten, aktiv zu werden, als die tatsächlichen Schäden zu tragen, die durch das Nicht-Handeln angesichts der Klimakatastrophe entstehen. Lasst uns gemeinsam eine lebenswerte und klimagerechte Zukunft gestalten! Jetzt!